Die Initiative Wert-volle Zukunft weiß um die Bedeutung des Einsatzes von Menschen für die Gemeinschaft und damit für die Zukunft unserer Region. Aus diesem Grunde stellen wir in loser Folge Menschen vor, die im Erzbistum gewirkt und uns etwas hinterlassen haben. Zu Beginn starten wir mit einer Frau, die von den Leserinnen und Lesern der Badischen Zeitung zur bedeutendsten Freiburgerin aller Zeiten gewählt wurde: Gertrud Luckner.

Getrud Luckner, in England geboren, studierte zwischen 1925 bis 1930 Volkswirtschaft - ein ungewöhnliches Studium für eine Frau in der damaligen Zeit. Einer der Studienorte neben Königsberg, Frankfurt und Birmingham war Freiburg. In Freiburg blieb sie und konvertierte zum katholischen Glauben. 1938 promovierte Sie mit einer Arbeit über die Selbsthilfe von Arbeitslosen in England und Wales. Sie wurde hauptamtliche Mitarbeiterin beim deutschen Caritasverband Freiburg und war dort bis 1968 angestellt.
Schon sehr früh durchschaut Sie die Ideologie der Nazis und beginnt, wo sie kann kompromisslos gegen die Macht der NSDAP zu arbeiten. Bereits 1932 rät sie Juden, Deutschland zu verlassen. Unmittelbar nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler 1933, beginnt sie Juden die Ausreise zu ermöglichen. In der Reichspogromnacht ist sie bis zum frühen Morgen mit ihrem Rad in Freiburg unterwegs, um Juden zu warnen. Sie verteilt Adressen, unter denen sich Juden verstecken können. Sie rettet Vermögenswerte und hilft jüdischen Familien bei der Ausreise. Sie organisiert Lebensmittelhilfe und Kleidung für Internierte und Deportierte.
Seit 1933 stand Gertrud Luckner unter der Beobachtung durch die Gestapo. Sie arbeitet weiter und achtet darauf, niemanden außer sich selbst zu gefährden. Erst 1943 wird sie verhaftet. Sie war auf dem Weg, einen Seelsorger in einen Transport für das Konzentrationslager Theresienstadt zu schleusen. Nach neun Wochen Verhör kommt Gertrud Luckner ins KZ Ravensbrück. Sie überlebt.
Sofort nach der Befreiung kehrt Gertrud Luckner nach Freiburg zurück und baut die Verfolgtenfürsorge beim Deutschen Caritasverband auf. Unter anderem sorgt sie dafür, dass KZ-Überlebende eine kleine Entschädigung erhalten. Unermüdlich arbeitet Gertrud Luckner für den jüdisch-deutschen Dialog und wird 1966 in Yad Vaschem für ihren Mut und ihr engagiertes Handeln mit dem Titel Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet. Gertrud Luckner stirbt am 31. August 1995 in Freiburg.
Getrud Luckner rettete Leben und linderte das Leid von vielen. Ihr Vermächtnis ist das Wissen darum, dass es auch in den dunkelsten Stunden unseres Landes Mut und aktive Hilfe gab.

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© Erzdiözese Freiburg | 2009